Karstadt-Mutter Arcandor hat Kaufhof im Visier
Wie der Nachrichtendienst Reuters berichtet, gebe es derzeit zwar keine Verhandlungen über einen Zusammenschluss der Warenhausunternehmen, Arcandor habe aber bereits Experten mit einem Gutachten beauftragt, sagte Arcandor-Chef Thomas Middelhoff am Firmensitz der Tochter Thomas Cook im britischen Peterborough. “Bei Karstadt und Kaufhof gibt es ein großes Synergiepotenzial.” Dieses könne nach einer Studie bei rund 400 Millionen Euro liegen, sagte der Manager. Metro wollte sich zu dem Vorstoß von Middelhoff nicht äußern.
Finanzieren könne Arcandor die Übernahme mit Hilfe eines Konsortiums aus der Deutsche Bank-Tochter RREEF mit den italienischen Investoren Pirelli RE, Generaliund Borletti, das bereits einen Teil der Immobilien der Arcandor-Warenhaustochter Karstadt übernommen hat. “Unser Immobilienkonsortium könnte ohne Probleme die Immobilien von Kaufhof erwerben. Arcandor könnte, gegebenenfalls mit einem Investor, das operative Geschäft erwerben”, sagte Middelhoff.
Aus Finanzkreisen verlautete, eine Übernahme der Immobilien von Kaufhof wäre der nächste logische Schritt für das Konsortium um RREEF. Mit einem Abschluss wäre aber frühestens Ende dieses Jahres zu rechnen, sagte ein Insider. Ein RREEF-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Bei einem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhpf könne es kartellrechtliche Probleme mit einzelnen Produktgruppen in bestimmten Einzugsgebieten geben, räumte Middelhoff ein. Diese seien jedoch lösbar. Gegen eine Übernahme spräche auch das Risiko einer Konzentration von Arcandor auf den Einzelhandel in Deutschland.
Der Konkurrent Metro zählt seine Warenhaus-Tochter Kaufhof seit kurzem nicht mehr zum Kerngeschäft und prüft einen Verkauf. Arcandor setzt sich bei der Entscheidung über einen möglichen Kauf nicht unter Zeitdruck und will zunächst alle Optionen prüfen. Einen Zeitrahmen für eine Entscheidung gebe es nicht. Innerhalb von zehn Wochen will Middelhoff jedoch Prioritäten in den einzelnen Geschäftsbereichen setzen. Es gebe eine Vielzahl von Möglichkeiten.
Weiter im Blick hat Arcandor auch eine europäische Allianz bei Premium-Warenhäusern mit dem RREEF-Konsortium. Die Gespräche darüber seien jedoch wegen der langwierigen Verhandlungen über den Verkauf der restlichen Warenhausimmobilien nicht so weit fortgeschritten wie erhofft. Geplant ist zunächst eine Überkreuz-Beteiligung, bei der Karstadt bis zu 25 Prozent an den Warenhausketten La Rinascente und Printemps übernimmt und sich das Konsortium im Gegenzug mit bis zu 25 Prozent an den Premium-Häusern von Karstadt beteiligt.
Im Konzern liefen die Geschäfte wie am Schnürchen. Arcandor habe ein “sehr gutes” Quartal hinter sich und werde das Ziel von mehr als 1,3 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im kommenden Geschäftsjahr 2008/09 (bis Ende September) erreichen, sagte Middelhoff.
Den Versandhändler Primondo um das deutsche Traditionshaus Quelle sieht der Manager auf einem guten Weg. 2008/09 erwartet er dort ein Ebitda von 210 Millionen Euro. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres soll Primondo in die Gewinnzone zurückkehren. Stärken will Middelhoff das ehemalige Sorgenkind auch über Zukäufe. Diese seien “nicht mehr fern”, sagte er. Primondo bereite sich auf den Kapitalmarkt vor. “Das heißt aber nicht, dass ein Börsengang dann auch tatsächlich kommt”, schränkte der Manager ein.
Ob Middelhoff mit Ende seines Vertrages Ende dieses Jahres Arcandor tatsächlich verlassen wird, ließ er offen. “Ich habe sehr viel Spaß an meinem Job.” Er werde nur dann gehen, wenn er sicher sei, “dass alles die richtige Entwicklung nimmt”.

